Gabriele Hönschel - Gedichte

Wie eine Eiche

Ich bin eine Eiche, meine Wurzeln sind tief,
die Erde nährt mich, ich stehe gerade.

Im Sommer streichelt der Wind meine Blätter,
im Winter hält mich der Schnee wohl bedeckt.

Ich bin eine Eiche, ich fühle mich stark.
Ich werde geliebt und werde gebraucht.

Ich bin ein Baum, ich gebe und nehme
ohne zu fühlen, weder Kummer noch Freud'.

Doch eines Tages - ich weiß es genau,
wird sich ein kleiner Vogel auf mich setzen.

Er wird mir von seinen Freunden erzählen und mich
mit Geschichten quälen von fernen Ländern und Meeren.

Der kleine Vogel wird mich mögen, weil ich ihn erhebe,
er wird mich bewundern, weil ich zuhören kann.

Und dann, wenn ich das erste Mal so richtig traurig bin,
wird er fortfliegen, um "neue Geschichten" zu finden.

Ich aber werde bleiben, denn ich bin ein Baum,
meine Wurzeln sind tief, ich stehe gerade







FLIRT, statt wahrer Begegnung

Du lächelst mir zu,
und mit viel Geschick,
werfe ich Dir ein
Lächeln zurück.

Du setzt Dich zu mir,
Dein Atem ist heiß,
Du stellst Dir vor,
was ich eh' schon weiß.

Dein Mund flüstert mir
liebende Worte zu,
Deine Hand ist warm und
zärtelnd, will mehr...

Doch Deine Augen...
sind hungrig,
grausam
und leer....








ABGRENZUNG

Ursprünglich einen Zaun
zum eigenen Schutze errichtet,
merkst Du nun, daß er Dich trennt.

"Nieder mit den Zäunen!"
schreist Du und stürmst
einfach darauf los.

Und wie Du rennst
und schreist, da merkst Du,
daß kein Zaun mehr ist.

Es irritiert Dich...
war doch vorher
einer da...!?

"Wo bist Du, Zaun?"
wirst Du nun rufen
und fiebernd nach
ihm suchen.

Doch Freiheit gibt's
nur hinterm Zaun
und war man dort,
ist er schon weg...








Vom Humor

Wenn ein Mensch
einem anderen zulacht,
weil dieser nur
Späße und Witze macht,
so stimmt es ihn heiter
und er fleht:
"Bitte, bitte, mach' weiter !"

Doch, wirklich
humorvolle Leut',
die lachen nicht nur
die sind auch im
Ernstsein manchmal gern stur.







ABSCHIED

Und solltest Du einmal
von mir gehen,
so drehe Dich nicht um,
es käme einer Lüge gleich.







RABENTOD

Rabenvögel auf geöffnetem Feld,
man will sie nicht, man hat sie nicht bestellt.

Sie picken gierig alles auf,
doch das Schicksal schont sie nicht,
es nimmt seinen Lauf.

Den Lauf eines Jägers
sieht man aus den Büschen sprießen,
die Raben dort, die will er schießen !

Mit noch stolzem Gemüt und
aufrechtem Gang.
stehen die Raben schon
vor ihrem Untergang.

Der Jäger legt die Flinte an,
als sich ein Rabe nur besann,
nie am Platz' zu lang
zu verweilen....

Schon sieht man flatternd
ihn von Hinnen eilen und
das - trotz der größten Hungersnot...

Die andern Raben doch,
die ihre Gier noch stillten...
sind nun tot...







Vom Klug-Sein

glaubt ein Mensch, sehr klug zu sein,
stellt sich meist serh schnell die Dummheit ein.

Nur seine Meinung ist ihm wichtig,
und nur diese, die ist richtig.

Hat er auch gestern noch anders gedacht,
so wird der geprügelt, der darüber heute lacht.

So hofft er stets auf fette Beute
und sucht ständig dumme Leute.

Er hat sich zum "Prophet" gemacht
und glaubt, er sei "geläutert über Nacht".

Nur durch ein Podest erhoben,
steht er ganz weit oben....

Da geht ein Raunen durch
die Menschen-Massen.

"Soviel Dummheit,
Man kann es nicht fassen!"







Einer, der irrt, zum Führer berufen

Ich brauche einen Untertan!

So werd' ich halt ein VER-FÜHRER
irgendwann ......

Niemand wird mir je entkommen,
wenn auch alles schon zerronnen...
meine Macht und HERRlichkeit!

Keine Gande lass' ich walten,
denn ich will die Welt GANZ NEU gestalten!

"Geschichte machen" ist mein Ziel
und "Gewinner sein" in diesem Spiel!

Nur heut' grad' kann es NOCH NICHT gelingen,
ich will erst mal ein Liedchen singen
auf die "böse,arge Welt ! "

Ich lächle vor mich hin im Sitzen...
und lasse mir vom Onkel Doktor eine
Spritze spritzen....

Auch er ist ahnungslos, in jedem Fall,
wenn auch er glaubt',
ich sei nicht recht normal!







Verbundenheit mit Dir

Du suchst Heimat - ohne Bindung,
und Heiterkeit - mit vollem Ernst.

Deine Blicke - sie sind suchend,
doch verhärtet - ist Dein Mund.

Dein Denken - ist besinnlich,
doch hastig eilend - ist Dein Tun.

Deine Ziele - sie sind mutig,
doch tonnenschwer - sind Deine Zweifel.

Es ist so schwer - gerade Dich zu lieben,
denn Du läßt es - einfach nicht zu.

Doch will ich mich Dir nur schenken,
denn ohne Dich - möchte' ich nie sein.







Mit den Augen der Liebe

Du bist wie ein warmer Sommerwind...
... über meinem Weizenfeld,
der all' meine Ähren tanzen läßt.

Deine Stimme, wie Balsam
für geschlagene Wunden.

Deine Güte ist so grenzenlos,
wie die Luft, die ich atme.

Deine Hände sind zart, wie
feiner Regen nach langer Trockenheit.

Dein Gang, so leicht und beschwingt
und doch so aufrecht, so kraftvoll.

Deine Blicke so sanft, wie die eines Pferdes,
dein Verstand, so klar und rein wie Morgentau.

Dein Humor ist sinnig, und leicht wie eine Feder.
Deine Ideale, sind hoch wie die Berge,
Dein Gemüt, tief wie die Schlucht.



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